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Chronik der Rüsselbacher Kirche

Die St. Jakobuskirche in Kirchrüsselbach

(Autoren: Elisabeth Franke-Schenk und Günter Heberlein)


 

Wenn man aus Richtung Erlangen oder Nürnberg kommt, dann ist die hohe, schlanke Kirchturmspitze in der St. Jakobuskirche schon von weitem zu sehen. Sie ist malerisch am Hang zwischen den Bergzügen „Katz“ und „Kuhberg“ gelegen.

Zur Kirchengemeinde Rüsselbach zählen heute die Orte Unter-, Mittel-, Kirch- und Oberrüsselbach, sowie Dorfhaus (Gemeinde Weißenohe), Ödhof, Illhof, Benzendorf (Markt Eckental) und die Weiler Lindenhof, Lindenmühle, Weidenbühl und Weidenmühle. Die Gemeinde zählt ungefähr 800 Mitglieder. Seit 2003 ist die Pfarrgemeinde nur noch mit einer halben Pfarrstelle besetzt. Die evangelisch-lutherische Kirche ist heute eine kleine Kirche im Dekanat Gräfenberg, aber das war nicht immer so gewesen, wie der Blick in die Geschichte zeigt (s.u.).

Die Kirche ist dem Jünger Jesu und Apostel Jakobus d. Ä. geweiht. Er ist der Sohn des Fischers Zebedäus. Jakobus wurde 44 n. Chr. hingerichtet. Sein Gedenktag ist Jakobi, am 25. Juli, und so feiert Rüsselbach am Sonntag davor oder danach die Kirchweih.

Rüsselbacher Kirche bis zur Reformation

Die Anfänge der Pfarrei Rüsselbach liegen im Dunkeln. Sie ist neben der Pfarrei Velden in der Gegend „nördlich und westlich vom Pegnitzfluss als Pflanzschule des Christentums betrachtet", wie es in einem alten Pfarrbuch heißt. Vermutlich wurde die Gegend schon im 8. Jahrhundert christianisiert. Man vermutet, dass die Kirche um 900 erbaut wurde und eine wichtige Rolle spielte.

Die Pfarrei Rüsselbach war eine „der 4 - 5 Königspfarreien, die mit Velden, Hersbruck und Fürth „... den Raum zwischen Pegnitz, Rednitz, Schwabach und Trubach erschlossen“. Die Pfarrei Rüsselbach gehörte wohl zur curtis (= Herrenhof) Hersbruck und lag im Bistum Eichstätt. Die Pfarrei wird auch als „Urpfarrei“ des Bistums Bamberg bezeichnet und hatte als „Mutterkirche“ mehrere Filialkirchen (= Tochterkirchen). Die Pfarrei lag im Archidiakonatsbezirk   Ickolsheim (= Eggolsheim). Der Archidiakon ist ein „Hauptabteilungsleiter“ des Bischofs.

Im Jahre 1010 wird Rüsselbach in einer Schenkungsurkunde das erste Mal urkundlich erwähnt: Heinrich II. trennt in diesem Jahr neben fünf anderen Orten auch Ristilibach (= Rüsselbach) vom Bistum Eichstätt ab und teilt diese Orte dem 1007 neu gegründeten Bistum Bamberg zu. Wie viele Orte damals zu Rüsselbach gehörten, ist nicht genau bekannt. Aus späteren Quellen (z.B. das Salbuch der Kirche  Rüsselbach) erfährt man aber, dass die Filialkirche Igensdorf der Rüsselbacher Kirche unterstand und ebenso die Kapellen in Kappel und in Walkersbrunn von Rüsselbach aus versehen wurden.

Wie lange Rüsselbach im Besitz des Bistums Bamberg war, ist nicht genau bekannt. Unter den Nachfolgern von Heinrich II. erfolgten viele Herrschaftswechsel im Nordgau, zu dem Rüsselbach gehörte. Welche Änderungen es speziell in Rüsselbach gab, ist bis zum Jahr 1503 ebenfalls nicht nachzuvollziehen.

1344 erteilte Papst Clemens VI. der Pfarrkirche zu Rüsselbach und ihrer Tochterkirche in Igensdorf alljährlich auf 40 Tage Ablass, d.h. beide Kirchen waren berechtigt, den Beichtkindern 40-tägige Bußübungen zu erlassen. Ursprünglich wurde dem Sünder zur Tilgung seiner Sünden eine Buße/Strafe auferlegt. Mit der Zeit wurden die Strafen immer härter, so dass man nach Wegen der „Ablösung“ der Strafe suchte. Der Ausweg war: Der Sünder konnte statt der Strafe eine Ersatzleistung erbringen. Dieser Ablass begann seit dem 11. Jahrhundert. Papst und Bischöfe konnten die Strafe vermindern. Ein Ablass von z B. 40 Tagen bedeutete, dass eine Buße / Strafe um 40 Tage verkürzt werden konnte. Der Papst verlieh das Recht, Ablass zu gewähren, an bestimmte Kirchen. Selten war der Ablass-Verleih des Papstes nicht. Schon 1298 hatte Eschenau einen Ablass bekommen. Papst Nilolaus IV. (1288-1292) verlieh in zwei Jahren 400 mal Ablass an Kirchen, Klöster und Hospitäler.

Im Jahre 1414 wurde Kappel zusammen mit Hiltpoltstein, Lilling, Wölfersdorf, Kemmathen und Großenohe von der Rüsselbacher Pfarrei abgetrennt und zur eigenen Pfarrei Kappel erhoben. Die Abtrennung wurde hauptsächlich von den Patriziern Valzner von Haimendorf betrieben. Es hieß, die Pfarrei Rüsselbach sei überreich an Einkünften und ihr Pfarrer hätte ohne die betreffenden Orte noch „genügendsten Unterhalt“. Der damalige Pfarrer Münzmeister stimmte der Abtretung zu. 1438 wurde Walkersbrunn auf Betreiben des Patriziergeschlechts der Haller abgetrennt. Schließlich verließ 1456  Igensdorf unsere Pfarrei.

Die Pfarrei verlor also Schritt für Schritt an Bedeutung. Rüsselbach lag an der wichtigen Eisenstraße zwischen Forchheim und Regensburg, die vermutlich einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Pfarrei wie auch des Dorfes hatte. Um 1330 aber gewann eine andere Handelstraße  an Bedeutung. Die Verbindung von Nürnberg nach Bayreuth über Eschenau und Gräfenberg war entstanden, die Rüsselbach nun nicht mehr berührte und somit von der weiteren Entwicklung abkoppelte.

Rüsselbach wird nürnbergerisch

Die kirchliche Macht über die Pfarrei Rüsselbach übte bis zur Reformation das Bistum Bamberg aus. In Rüsselbach wird aber 1439 durch die Reichsstadt Nürnberg eine Hauptmannschaft mit 11 zugehörigen Orten eingerichtet. Das ist ein erster Hinweis, dass die Stadt Nürnberg die weltliche Herrschaft über Rüsselbach ausübt. Der Einfluss Nürnbergs auf Rüsselbach ist vielfältig:

Das St. Clara-Kloster (1208 erbaut) in Nürnberg besaß Höfe und Grundbesitz in Rüsselbach, wie Belege von 1254 bis 1386 zeigen. (siehe unten „Zeittafel von Rüsselbach“)

Das Patriziergeschlecht der Harsdörffer besaß einige Güter in Rüsselbach. Heinrich Harsdörffer II. und seine Ehefrau Margarethe von Siegersdorf machten im Jahr 1415 eine umfangreiche Stiftung für Rüsselbach: Sie stifteten eine Frühmesse. Sie setzte sich zusammen aus: ein Gut in Dorfhaus, ein Gut in Walkersbrunn, zwei Äcker in Engelthal (= Ingthal zwischen Kirchrüsselbach und Benzendorf) und dem halben Zehnten in Fronhof. Das alles erbrachte 60 Gulden, was die Anstellung eines „Frühmessers“ in Rüsselbach ermöglichte. Später wurde die Stiftung um einige Güter und um die „Seewiese“ bei Mittelrüsselbach erweitert. Die Seewiese ist heute Eigentum der Kirchenstiftung. Die Harsdörffer hatten das Recht, den Frühmesser zu bestimmen. Namen von Frühmessern sind nicht bekannt. Der Frühmesser hatte jeden Tag am Nebenaltar eine Messe zu lesen, werktags bei Tagesanbruch. Im Kataster von Kirchrüsselbach (alte Hausnummer 2, jetzt St. Jacobus-straße 1) gibt es einen Eintrag mit dem Namen „Frühmessgärtlein“, der auf diese Stiftung hinweist. Kurz nach der Reformation wurde die Frühmessstiftung von den Harsdörffern eingezogen und der Frühmesser der Rüsselbacher Kirche wurde nun als evangelischer Pfarrer in Igensdorf eingesetzt.

Die freie Reichsstadt Nürnberg erwarb 1503 Hiltpoltstein und den größten Teil Rüsselbachs. Am Aufgang zum Pfarrhof und in der St.- Jakobus- Kirche finden sich die Wappen und Namen der Nürnberger, die die Grundherrschaft in Rüsselbach besaßen. Es waren: Ebner, Harsdörffer, Zollner, Haller, Heiden, Pfinzing u.a.

Der größere Teil des Pfarrbezirks lag im Gebiet der Reichsstadt Nürnberg. Von nun an bis 1806 wurde der Pfarrbezirk Rüsselbach durch das Landalmosenamt in Nürnberg regiert. Die weltliche Macht übte das Pfleg- bzw. Fraischamt in Hiltpoltstein ebenfalls bis 1806 aus. Dort war auch das für Rüsselbach zuständige Hochgericht.

Der kleinere Teil der Pfarrei, nämlich das halbe Ebach, Benzendorf, das halbe Ödhof und das halbe Dorfhaus standen unter bayerischer Herrschaft. Dieser Teil unterstand dem Landgericht Auerbach (später Schnaittach).

Rüsselbach um die Zeit der Reformation

Um 1500 gab es Missstände in der Christenheit. Auch im Kloster Weißenohe gab es diese. Der Mönch und spätere Abt des Klosters, Eucharius Gozmann, fiel sehr negativ durch seine unchristliche Lebensweise auf und erzeugte Unmut in der Gegend. Besonders die Bauern aus Mittelrüsselbach zeigten ihren Unmut über Eucharius. Der Abt seinerseits beschwerte sich bitter beim Bamberger Bischof Georg über die Bauern.

Um 1524 war Johann Palkmacher der vom Bistum Bamberg eingesetzte Pfarrer in Rüsselbach. Er lebte aber in Bamberg und schickte nur einen Vertreter nach Rüsselbach. Das war kein Sonderfall, denn auch die Kirchengemeinden Neunkirchen am Sand und Bühl bei Hüttenbach mussten sich mit einem Vertreter zufrieden geben. Die Rüsselbacher Gemeinde aber war mit diesem Zustand nicht zufrieden und beschwerte sich bei ihrem weltlichen Oberherrn, beim Rat der Stadt Nürnberg. Sie erklärten, der Vertreter Palkmachers sei „ihnen nicht füglich noch leidlich, auch dem neuen Brauch nicht anhängig“. Hier wird deutlich, dass Luthers Gedankengut in Rüsselbach bekannt war.

Nürnberg reagierte und schickte 1524 einen evangelischen Pfarrer nach Rüsselbach. Die Entsendung bedeutete faktisch die Absetzung des Pfarrers Palkmacher. Der erste evangelische Pfarrer Rüsselbachs hieß Georg Wagner. Er war wie Luther ein ehemaliger Augustinermönch in Nürnberg und war daher mit Luthers Lehre vertraut. Aber schon 1525, während des Bauernkriegs, ging er wieder nach Nürnberg, setzte später sein Studium in Wittenberg fort und wurde Pfarrer in Puschendorf und zuletzt in Burgfarrnbach.

Rüsselbach war also 1524 eine der ersten Landgemeinden im Nürnberger Gebiet, die überhaupt evangelisch wurden. Nürnberg wurde erst 1525 offiziell evangelisch.

Schon um 1571 wird die Schule (damals auf dem Grund des Anwesens Nr. 20 in Kirchrüsselbach) in das damalige Pfarrhaus in der Südwest-Ecke des heutigen Friedhofs umgesiedelt. Ebenfalls um 1571 wird ein Gebäude, das bisher als Stall, Speicher und Gesindewohnung diente, zum „neuen“ Pfarrhaus gemacht. 1964 wurde dieses große Pfarrhaus abgerissen und 1965 durch das heutige Pfarrhaus ersetzt.

Der 30-jährige Krieg brachte großes Elend. Im Taufbuch des Jahres 1634 ist vermerkt: „... da ist die Noth und das liebe exilum recht angegangen und ein Sterben erfolgt - bellum, fames, pestis ...“ (exilum = Flucht, Vertreibung; bellum, fames, pestis = Krieg, Hungersnot, Pest).

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Kirche immer baufälliger. In den Jahren 1776 bis 1779 musste die Kirche grundlegend umgebaut und erneuert werden. Nur die Grundmauern des Westturms und das quadratische Chorgebäude blieben unverändert. Die Kirche bekam ihr heutiges Gesicht.

1810 wurde das Dekanat Gräfenberg gebildet, in das Rüsselbach eingegliedert wurde.

1883 wurde anlässlich des 400. Geburtstages Luthers (1483 - 1546) das große Bild „Luther mit dem Schwan“ angebracht.

Ende Dezember 1918 fand ein Dankgottesdienst für die Heimgekehrten des 

1. Weltkriegs statt. Auch drei Veteranen vom Krieg 1870/71 gegen Frankreich beteiligen sich daran. Das 400-jährige Jubiläum der Reformation in Rüsselbach wurde 1924 gefeiert.

1958 wurde ein Leichenhaus gebaut, das 1984 durch einen Neubau ersetzt wird.

1967 baute man ein Ehrenmal für die Kriegstoten beider Weltkriege.

Bei der Renovierung der Kirche 1907 legte man alte Fresken frei, welche wohl immer wieder erneuert wurden. Nach einer Renovierung 1987 hielt Oberkirchenrat von Loewenich die Rede zur Einweihung.

Ein Rundgang durch die St. Jakobuskirche vor ihrer großen Renovierung 1779

Die Anfänge des Kirchengebäudes, einer Wehrkirche, liegen im Dunkeln. Im Salbuch der Kirche steht, dass 1516 das Gemäuer der Kirche „wieder aufgeführt“ worden sei. Pfarrer Heßel (Pfarrer von 1773 bis 1810) erwähnt, dass diese Jahreszahl auf der Südseite in Stein eingehauen war. Er beschreibt die Kirche vor der Renovierung, siehe dazu auch die untenstehende Zeichnung:

Die Kirchentür lag im Norden, wo heute der „Festeingang“ ist. Außen neben der Kirchentür befand sich ein kleiner Anbau, „Ölberg“ genannt, in dem sich eine Nachbildung der Landschaft des Ölbergs im Garten Gethsemane und Figuren aus der Passionsgeschichte befanden. Man muss sich den Ölberg ähnlich wie die heutigen Krippenlandschaften vorstellen.

Durch diesen Nordeingang betrat man das Langhaus. Das Langhaus hatte eine Decke aus „bloßen“ Brettern. Heßel schreibt, dass es „sehr besonders aussah, wenn die Bauern ihre Hüte mit Gabeln an die Decke spießten“. Man kann nur spekulieren, was er damit meinte.

Ging man durch die Kirchentür, so befand sich rechts der Aufgang zur damaligen Empore. Die Empore befand sich damals nur an der Turmseite „wie im Theater oder Amphitheater“. Gleich beim Eingang gab es drei „Weiberbänke“. Unter dem Turm und an beiden Seiten des Langhauses waren Männersitze. Links vom Eingang, neben dem Dorotheen-Altar, ging die Stiege zur Orgel hoch. Sie stand neben dem heutigen ovalen Fenster. Ein Holzgitter umgab die Orgel.

Neben der Stiege zur Orgel stand der (alte) Taufstein, der 1841 durch einen neuen, den heutigen Taufstein, ersetzt wurde. Er stammt vom Laufer Steinmetzmeister Meier und trägt gotische Schmuckformen.

Die Kirche bekam 1716 ihre erste Orgel. Für sie wurde extra eine Empore auf der Nordseite gebaut. Es gibt die Meinung, dass sie ihren Dienst bis 1780 tat, laut Pfarrer Meinel wurde sie 1754 durch eine andere Orgel mit vier Registern ersetzt. 1780 bekam dann die neu renovierte Kirche für 340 Gulden eine neue Orgel, angefertigt vom Orgelbauer Bodechtel aus Nürnberg. Diese Orgel bekam einen neuen Platz auf der Empore gegenüber dem Altarraum, wo sie noch heute steht. 1922 wurde in das Orgelgehäuse ein neues Orgelwerk von Steinmeyer & Strebel eingesetzt, 1997 die Orgel restauriert.

Der alten Kirchentür gegenüber, auf der Südseite, befand sich die Kanzel. Die Holztreppe zur Kanzel befand sich östlich von ihr, neben dem Marienaltar.

Der Dorotheenaltar (Die heilige Dorothea ist der Legende nach eine Märtyrerin in der Verfolgung in Kappadokien unter Kaiser Diokletian. Sie wird zusammen mit Äpfeln und Blumen dargestellt.) befand sich also im Langhaus, links vom Chorbogen. Hier befand sich der Eingang in den Altarraum. Auf dem Altar stand eine Statue der Hl. Dorothea, die ein Buch umgehängt trägt. Darunter war ein Reliquien-Schränkchen, daneben ein Harsdörffer- und ein Müllner-Wappen.

Der Marienaltar befand sich ebenfalls im Langhaus, rechts vom Chorbogen. Auf dem Altar stand eine Marienstatue mit Szepter, Weltkugel und Jesuskind, zu ihren Füßen eine silberne Mondsichel. Unter der Statue sah man eine gemalte Tafel, worauf Peter Harsdörffer II., seine Frau Katharina und die 12 Kinder abgebildet waren. Der Dorotheen-Altar und der Marienaltar waren Seitenaltäre oder Nebenaltäre. Sie werden als die Harsdörfferischen Altäre bezeichnet. Hier wurden wohl die von Harsdörffer gestifteten Frühmessen abgehalten.

Direkt unter dem Chorbogen befand sich ein großes hölzernes Kruzifix, das Pfarrer Dübel (Pfarrer 1738 - 1750) entfernen ließ.

Beide Statuen dieser Altäre wurden ab 1777 im Pfarrhaus gelagert. 1834 wurden sie wie auch das große Kruzifix vom damaligen Rüsselbacher Pfarrer Seifart an Herrn Müller in Benzendorf verkauft. Dessen Nachkommen schenkten die zwei Statuen und das große Holzkreuz weiter an die katholische Kirche St. Walburgis in Kirchröttenbach. Über den Verbleib des alten hölzernen Kruzifixes ist (uns) heute nichts mehr bekannt.

Die Dorotheen-Statue der Harsdörfferi-schen Altäre befindet sich heute in Kirchröttenbach, in der Sebastian-Kapelle neben der Kirche. (Die Statue ist zurzeit wegen Renovierung der Kapelle nicht zugänglich). Sie stammt aus dem Jahre 1480 und ist in unserer Gegend sehr selten, wie es im Kirchröttenbacher Kirchenführer steht.

Die Marien-Statue, die Madonna der Harsdörfferischen Altäre befindet sich vermutlich ebenfalls in der Kirche in Kirchröttenbach. Laut dem dortigen Kirchenführer stammt die dortige allerdings aus der Schlosskapelle der Feste Rothenberg und ist einst von einem Nürnberger Künstler geschaffen worden.

Der Altarraum, der älteste Teil der Kirche, blieb bei der Renovierung 1777 - 1779 unverändert. Hier stand bis 1747 ein großer Flügelaltar, in der Mitte befanden sich drei Holzfiguren, links ein Hirte, in der Mitte St. Jakobus, der Patron dieser Kirche und rechts eine Frau mit zwei Kindern auf dem Arm. Die Flügel und die Altarmitte waren innen und außen reich bemalt. Pfarrer Dübel ließ diesen Flügelaltar entfernen, weil er ihm „zu päpstisch“ vorkam. Seit dieser Zeit ist er verschollen.

Das Pfarrgrab befindet sich zwischen Chor und Langhaus. Als letzter wurde dort Pfarrer Heßel 1810 beerdigt. Drei ehemalige Grabinschriften aus Metall befinden sich heute am Chorbogen an der Südseite.

Die anfangs nur schmalen Fenster im Osten und Süden des Chores wurden schon 1747 erweitert. Das Fenster im Norden blieb erhalten.

In der Sakristei standen früher der Beichtstuhl, ein kleiner Altar und eine Holztafel mit den Namen der Pfarrer. Sie hatte nur ein kleines Fenster. Hier befanden sich früher auch ein grüner Kachelofen und ein Bild des alten Turmes mit seinem viereckigen Dach.

Der Turm auf der Westseite ist erstmalig 1586 belegt. Er wurde 1776 abgerissen. Der alte vierkantige Turmhelm war sehr baufällig, lediglich die Grundmauern blieben stehen. Neben dem Nordeingang gab es einen zweiten Kircheneingang, die Türe im Turm. Hier befindet sich heute der Haupteingang der Kirche.

 

Schematischer Grundriss der Kirche vor 1776

Auch die Schule muss erwähnt werden: Das wahrscheinlich erste Schulhaus von Rüsselbach stand auf dem Grund des Kirchrüsselbacher Anwesens Nr. 20. Vor der Reformation war dieses Anwesen ortskirchliches Eigentum, nach der Reformation stand es unter Nürnberger Verwaltung. Dieses Schulhaus wurde schon 1571 von Nürnberg zu einem Bauerngut gemacht. Zur „neuen“ Schule wurde um 1571 das bisherige Pfarrhaus (in der Südwestecke des heutigen Friedhofs) bis es 1830 im wahrsten Sinne des Wortes „zerfiel“. Der Platz wurde dem Friedhof einverleibt.

Zum „neuen“ Pfarrhaus der Rüsselbacher Kirche wurde um 1571 ein bisheriges Nebengebäude im Pfarrhof, das als Stall, Speicher und Gesindewohnung diente. Im 16./17. Jahrhundert wurde es ausgebaut, im Dreißigjährigen Krieg beschädigt. Der Ostteil des Gebäudes wurde 1714 erneuert. Es war zweigeschossig mit einem auf der Ostseite abgewalmten Satteldach. Im Kellergeschoß gab es Schießscharten. Dieses historische Pfarrhaus wurde 1964 „wegen Unbewohnbarkeit“ abgerissen und 1965 durch das heutige Pfarrhaus, einem Atrium-Bau (d.h. das Gebäude hat einen Innenhof) ersetzt.

Wie sah der Gottesdienst in der Zeit nach der Reformation aus? Der Rat der Stadt Nürnberg, der für kirchliche Dinge im Nürnberger Gebiet zuständig war, trat für ein maßvolles Festhalten am Alten ein. Der Rat ließ nur ungern die tägliche Messe abschaffen. Noch lange nach Abschaffung des Messopfers hielten die Pfarrer am Brauch der täglichen Abendmahlsfeier fest. Das Abendmahlbrot wurde noch einige Zeit nach der Reformation im Sakramentshäuschen verwahrt. Die letzten Reste des Sakramentshäuschens wurden beim großen Umbau 1779 entfernt. Auch die bunten Messgewänder und der weiße Chorrock wurden beibehalten. Noch Pfarrer Henßel (1773 - 1819) berichtet über die „ hiesigen Copulationen“, wo der Geistliche bei der Einsegnung des Paares am Altar das Messgewand trägt und danach im weißen Chorrock die Predigt hält.

Gleich abgeschafft wurden die Seelenmessen, das Messopfer, das Weihwasser, das geweihte Salz, das Reliquienwesen und natürlich der Ablass. Daneben wurde auch die lateinische Sprache im Gottesdienst durch die deutsche Predigt ersetzt, ebenso gab es jetzt die deutsche Schriftverlesung, deutsche Sakramentsfeiern und den Empfang des Kelches beim Abendmal. Jetzt hieß es nicht mehr vom Pfarrer: „Ich trinke für euch alle“. Gleichfalls trat an die Stelle der Ohrenbeichte nun die Einzelbeichte.

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